TELEFON 030 - 23 63 38 66 Mitglied werden intern
Bitte BFS-Benutzernamen und Passwort eigeben:
Volltext-Suche in der Website English

 

Notizen der Geschäftsführung

Zukunftswerkstatt KSK

Berlin 17.06.2016

 

Über 100 Sachverständige, Vertreter und Gäste aus Kultur, Verbänden und Politik kamen am 14. Juni 2016 auf Einladung von Bundesministerin Andrea Nahles zur Zukunftswerkstatt Künstlersozialversicherung in die Bildhauerwerkstatt des Kulturwerks vom Berufsverband Bildender Künstler Berlin.

Der Tag startete mit konkreten Zahlen zu der Situation der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft (aus dem Jahr 2014):

  • 249.000 Unternehmen erwirtschafteten146 Milliarden Euro (2,2 % mehr als in 2013)
  • 1.62 Millionen Erwerbstätige, davon

    • 809.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
    • 249.000 Selbständige
    • 349.000 geringfügig Beschäftigte
    • 210.000 geringfügig Tätige (Selbständige und Freiberufler mit einem Jahresumsatz unter 17.500 Euro)

  • In 2014 Anstieg der Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 2,3 Prozent, während die Anzahl der geringfügig Beschäftigten erneut rückläufig war = Indikator dafür, dass weiterhin mehr Menschen in reguläre Beschäftigungsverhältnisse wechseln.
  • Anteil Selbständige: stabile 24%
  • Die Kultur- und Kreativwirtschaft trägt mit 67,5 Milliarden Euro und somit rund 2,4 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung bei.

(Mehr Details unter http://www.zew.de/de/forschung/stand-und-perspektiven-der-deutschen-kultur-und-kreativwirtschaft/ )

Unter dem Titel „Hybride Erwerbsbiografien im Kulturbetrieb“ diskutierten anschließend Vertreter des Deutschen Bühnenvereins, der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger mit einem Vertreter des Deutschen Rentenversicherung Bund.

Zukunftswerkstatt Künstlersozialversicherung Bildhauerwerkstatt des Kulturwerks vom Berufsverband Bildender Künstler Berlin Foto: BFS Silke Spahr

Im Mittelpunkt der Diskussion stand das Statusfeststellungsverfahren. Und hier insbesondere der komplett veraltete Abgrenzungskatalog und dessen oft nicht konsequente Anwendung durch die Clearingstelle. Einige Teilnehmer berichteten von Fällen, in denen zwei Kreative an dem gleichen Projekt zu identischen Konditionen gearbeitet haben und dennoch mal als Selbständige und mal als Abhängig Beschäftigte eingestuft wurden.

Seitens der Deutschen Rentenversicherung Bund wurde immer wieder betont, dass die Entscheidungen Einzelfallentscheidungen seien und man keine pauschalen Einordnungen vornehmen können. Dass diese Praxis zum Beispiel die Fernsehkameramänner, die bis zu 200 verschiedene Aufträge im Jahr haben, zwingt, auch bis zu 200 Anträge zu stellen, ist nur eine der absurden Folgen dieser Verwaltungspraxis. Es wurde daher wiederholt der Ruf laut, für die „Jobhopper“, die nur sehr kurze Arbeitsverhältnisse eingehen, neue Lösungen zu suchen. Die Regierung muss auf die veränderten Bedingungen des Beschäftigungsmarktes mit berechenbaren und praktikablen Regelungen reagieren.

Eine Wirtschaftsberaterin erklärte, dass es in keiner anderen Branche in Deutschland so viele formale Hindernisse und unberechenbaren Voraussetzungen für die Vorsorgeleistungen gebe wie in der Kreativwirtschaft. Kein Wunder, dass viele Künstler mit diesen Formalien überfordert seien und daher viele Angebote gar nicht angemessen nutzen könnten.

Im zweiten Teil der Veranstaltung erlebten die Teilnehmen eine erstaunlich nahbare Bundesministerin, die den Teilnehmern durchweg auf Augenhöhe und sehr konstruktiv begegnete.

 

Frau Nahles hat sich schon ganz am Beginn ihrer Amtszeit für die KSK stark gemacht und damit den Fortbestand dieser in Europa einmaligen Altersvorsorge für Kreative abgesichert.

Für die Zukunft versprach sie, sich in der nächsten Legislaturperiode auch für eine Erhöhung des Bundeszuschusses einzusetzen.

Für den BFS habe ich aus der Veranstaltung den Auftrag mitgenommen, dass wir dringend unser Berufsbild aktualisieren müssen. Denn je besser die Institutionen unser Berufsbild kennen und es auch verstehen, umso leichter können die zuständigen Sachbearbeiter auch zu unseren Gunsten entscheiden! Wir freuen uns auf Eure Impulse und Ideen hierzu!

Berlin, den 14. Juni 2016

Silke Spahr