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Filmtipps

Cindy liebt mich nicht

01.01.70 (k.A.)

Filmeditor/in:  Barbara Toennieshen

Cindy liebt mich nicht

"Vielleicht bin ich auch sowas wie ihr Freund". Als sich Frank (Clemens Schick) und David (Peter Weiss) zum ersten Mal begegnen, scheinen die Zeichen nicht gerade auf Harmonie zu stehen. Beide haben ohne vom andern zu wissen einige Monate mit der energiegeladenen Maria (Anne Schäfer) verbracht - gleichzeitig. Beide haben sich in die spontane Bekanntschaft verliebt und waren sich dabei bis zum Ende nicht über ihre Gefühle im Klaren. Nun ist sie spurlos verschwunden und beide müssen sich erstmals der Frage stellen, was die Begegnung mit Maria ihnen bedeutet hat. Auf der Suche nach Maria wird beiden klar, dass sie sie weitaus weniger kannten, als sie dachten. Aus Leidensgenossen werden - Überraschung - Freunde, die einem Traumbild nachjagen und dabei zum ersten Mal sich selbst entdecken.

Das schöne am Genrekino ist, dass wir es so gut kennen und uns immer wieder freuen können, wenn bekannte Handlungsschemata und Standardsituationen auf interessante Art und Weise neu interpretiert werden. Cindy liebt mich nicht zeigt genau darin seine Stärken. Ausgehend von einem recht banalen Szenario entwickelt das Road Movie sich schnell weg von einem Liebesfilm über austauschbare Einzelschicksale, hin zu einer parabelhaften Reflexion über das Zusammenleben in Beziehungen, wo Menschen sich Wunschbilder schaffen, sich inszenieren, sich selbst und sich gegenseitig täuschen - und letztlich doch alle das gleiche suchen: ehrliche Gefühle und Geborgenheit. Die Erzählung findet für diese Reflexion einen immer ruhiger werdenden Rhythmus, der sich nicht in der Vorbereitung eines spektakulären Schlusses erschöpft sondern der dem Zuschauer anbietet, unerwartete Handlungselemente als Eigenwerte zu akzeptieren und diese zu schätzen. Entsprechend der ungezwungenen Erzählweise des Films verwundert es nicht, dass die orientierungslosen Figuren letztlich ein erfrischend schlichtes Ziel der Reise erwartet - dessen Bedeutung gerade in seiner authentischen Reduziertheit zur Geltung kommt.

Cindy liebt mich nicht war bei der Berlinale 2010 in der Sektion "Perspektive Deutscher Film" zu sehen und ist der erste Langfilm von Hannah Schweier, die damit eindrucksvoll ihre Ausbildung an der Filmakademie Baden-Württemberg abschloss. Das Darstellerensemble entstammt vorwiegend dem Theaterkontext und wartet mit unverbrauchten Gesichtern auf, die durch und durch naturalistische, plausible spielerische Leistungen abliefern. Ohne in Kitsch zu verfallen, präsentieren sie sympathisch Figuren, die nach und nach in ihrer Verwundbarkeit gezeigt werden und sich der Tatsache stellen müssen, dass ihre Vorstellungen von der großen Liebe und der perfekten Beziehung wenig mit der Realität zu tun haben. Cindy liebt mich nicht ist kein überwältigender Film und macht gerade deshalb Spaß. Ob er für ein Kinopublikum funktioniert, wird sich in Kürze zeigen. Angesichts der Stärken des Films ist es ihm sehr zu wünschen.
von Dennis Vetter, am 24.5.10

 

Cindy liebt mich nicht
R: Hannah Schweier
D: Clemens Schick, Peter Weiss, Anne Schäfer
Deutschland 2010, 91 Min.
Copyright: Reverse Angle Pictures GmbH
Kinostart: 10.06.2010