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Interview mit Barbara HenningsKurzschnitt

Barbara Hennings

Wichtig ist es auf die Regisseure ein zu gehen, zu verstehen das Film immer Teamarbeit ist.

06.01.2010

Barbara Hennings, Schnittmeisterin und Gründungsmitglied des BFS

Frau Hennings, Sie blicken auf eine lange Karriere zurück. Seit 1965 arbeiten Sie als Filmeditorin. Ab den 80er Jahren lassen sich über 50 Filme zählen, darunter Ihr erster Kinofilm, “Die weiße Rose” von Michael Verhoeven und Ihr jüngster im letzten Jahr, “Liebe Mauer” von Peter Timm.
Was waren die wichtigsten Schritte in Ihrer Karriere als Schnittmeisterin?

Sicher der Schnitt der weißen Rose. Der Erfolg des Films hat auch mir einen Namen gemacht und damit die Zusammenarbeit mit Michael Verhoeven ermöglicht. Aber auch, dass ich mir von Anfang an vorgenommen habe mit alle Genres zu arbeiten.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Beruf?

Dass man sich immer wieder mit neuen Themen beschäftigen und auch auf andere Regisseure einstellen muss. Das Material das kommt, stellt mich auch vor eine neue Herausforderung.

Was hat sich heute zu damals am Berufsbild verändert?

Als ich anfing konnten bzw. mussten wir noch selber vertonen. Mit Ton kann man so vieles dramaturgisch unterstützen. Das hat mir immer Spaß gemacht und beim Schnitt weiß ich oft schon, wo ich welches Geräusch hinlegen möchte. Verändert hat sich leider der Status des Assistenten. Früher war er immer bei uns im Schneideraum und bekam dadurch viel vom Schnitt mit. Heute ist das meistens ein Assistent aus dem Postproduktionshaus, der häufig noch andere Filme anlegen und bearbeiten muss.

Welche Bedeutung wird dem Editor heute in der Filmbranche beigemessen?

Das ist schwer zu sagen. Ich denke so langsam, ist die Bedeutung des Editors im Bewusstsein angekommen. Es muss aber noch stärker werden. Das Problem ist sicher, dass viele den Schnitt nicht wirklich beurteilen können. Das ist ja sogar für Editoren schwer, da man das Material kennen müsste, um genau zu sagen, ob es super geschnitten ist.

Sie sind dieses Jahr mit dem Ehrenpreis des Bundesverbandes Filmschnitt ausgezeichnet worden. Was bedeutet für Sie diese Auszeichnung?

Sie macht mich glücklich, da es eine Auszeichnung der Kollegen ist und meine Arbeit von diesen Kollegen geschätzt wird.

Als Gründungsmitglied des BFS waren Sie zwölf Jahre als geschäftsführender Vorstand tätig. Wie kam es zu diesem starken Engagement für Ihren Berufsstand?

Ich bin ein politischer Mensch und ich wollte unter den Kollegen das Bewusstsein für die Filmpolitik schärfen. Mir ist wichtig, dass das Ansehen des Editors gewürdigt wird. Aber vorrangig wollte ich die Solidarität unter uns Editoren stärken und beispielsweise durch Seminare, die Fortbildung der Kollegen fördern. In der Zeit erfolgte ja die Umstellung auf den Computerschnitt.

Wie hat sich der BFS entwickelt?

Er hat sich im Laufe der Zeit sicher etabliert und hat seine Bedeutung gefestigt. Auch die Solidarität ist gewachsen. Einiges ist schwer zu beschreiben, da es kleine Schritte sind, die immer wieder gegangen werden müssen.

Was konnten Sie in der Verbandsarbeit filmpolitisch für den Berufsstand der Editoren erreichen?

Die Miturheberschaft durchzusetzen, ist sicher einer der entscheiden Fortschritte. Das habe ich nicht alleine gemacht. Gisela Grischow und Helga Borsche haben da genau so ihren Anteil. Unsere Präsenz in der VG Bild-Kunst ist auch ein Ergebnis der Verbandsarbeit. Oder das Schnittforum Film+ ist eine Veranstaltung, die immer vom BFS gestützt und zum Teil mitgestaltet wurde. Nicht zu vergessen die Schnittpreise, um die wir immer gekämpft haben.

Die jüngste Initiative des Verbands ist ein Aufruf an alle Filmschaffende, sich für die Einführung eines Editoren Preises beim Europäischen Filmpreis einzusetzen. Wie stehen Sie zu dieser Aktion?

Natürlich habe ich diese Aktion mit meiner Unterschrift unterstützt. Das ist doch logisch. Wie kann man nur den Schnittpreis da nicht verleihen?!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des BFS?

Dass viele junge Kollegen den Weg zum BFS finden. Auch müssen wir unseren Stellenwert weiter stärken und kämpfen, damit sich die Situation der Assistenten verbessert.

Der BFS nimmt auch Junior-Editoren auf. Wenn Sie sich den Markt heute für junge Editoren anschauen, gibt es einen Rat, den Sie als erfahrene Schnittmeisterin für die jungen Editoren haben?

Ratschläge zu geben ist schwer. Wichtig ist es auf die Regisseure ein zu gehen, zu verstehen das Film immer Teamarbeit ist. Man soll sich nicht scheuen auch weniger bedeutende Filme zu schneiden, damit lassen sich Erfahrungen sammeln. Wichtig ist auch, immer neugierig bleiben, gerade im Hinblick auf neue Techniken wie HD.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.