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Tobias MarschallKurzschnitt

Schnittassistenz ist keine Durchgangsposition.

05.05.2014

Wie bist Du beim Film gelandet?

Ich habe während dem Studium als Regiehospitant am Volkstheater in Wien gearbeitet und bin gleich in der ersten Woche dem Bereich Video zugewiesen worden. So lief das quasi über in eine Videoassistenz und später, bei anderen Projekten in Hannover und Berlin, habe ich auch geschnitten – damals noch auf Final Cut. Ich wurde einfach ins kalte Wasser geworfen.

Danach war für mich klar: Ich möchte mit Geschichten arbeiten. Überhaupt mit Bildern. Mich hat schon immer das Visuelle interessiert, was mich auch zum Theater gebracht hatte. Und so habe ich eine Schnittausbildung an der Bayerischen Akademie für Fernsehen gemacht.

Es ist Deiner Ansicht nach sinnvoll, einen Assistent für die ganze Projektphase zu haben?

Das hängt vom Aufwand des Films ab. Also für die ganze Schnittphase eigentlich nicht, aber für die Drehphase auf jeden Fall. Sinnvoll wäre es, den Schnittassistenten bereits in die Workflow-Gespräche einzubinden, im Austausch mit Kamera, DIT (Digital Image Technician), Ton-Department und Postproduktion, so dass man gemeinsam den technischen Workflow festlegen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht: Je eher man sich darum kümmert, desto besser. Sind die technischen Konditionen der Aufzeichnung von Bild und Ton für die wichtigen Stellen im (Post)Produktionsprozess umfassend geklärt, passieren später auch keine bösen Überraschungen.

Würdest Du die Schnittassistenz als eigenständiges Berufsfeld ansehen oder „nur“ als Übergangsphase zum Editor?

Ich sehe das gemischt. Ich kenne Kollegen, bei denen letzteres der Fall ist. Oft ist es das Modell, wo Editor und Assistent sich finden und über einen längeren Zeitraum als festes Team zusammen arbeiten. Da kommt es vor, dass der Editor noch an einem Film arbeitet und der Assistent schneidet schon mal beim nächsten Film vor. Das sind Assistenten, wo man merkt, dass sie ihren Weg als Editor gehen werden. Aber im Zeitalter des computergestützten Schneidens ist Schnitt auch nicht mehr der Lehrberuf, der er war, als noch am Steenbeck geschnitten wurde. Damals hat man die Entstehung hautnah mitbekommen, man hat jeden Filmschnipsel selber aufgehängt, Filmrollen nummeriert und jede Entscheidung, jeden Schnitt mitgekriegt. Ich denke, zwischen analogem und digitalem Schnitt ist ein deutlicher Unterschied in der Arbeitsweise zu erkennen.

Wird die Assistenz Deiner Meinung nach genug geschätzt?

Ich finde es problematisch, dass die Schnittassistenz oft nicht als eigenständiger Beruf angesehen oder sogar für überflüssig gehalten wird. Zumindest auf Produzentenseite kommt das immer wieder vor. Erst im Herbst 2013 wurde mir gesagt, dass für einen großen Kinofilm kein Assistent kalkuliert wurde, das finde ich schon hart. Als Argument wird dann angeführt, dass das Post-Haus das Anlegen der Töne übernimmt – als ob die Hauptarbeit des Schnittassistenten im Ton Anlegen besteht. Ein erstaunlich weit verbreiteter Irrtum!

Ich denke, das ist momentan die Krux an diesem Beruf, dass Assistenten immer öfter durchgesetzt werden müssen, die Budgets immer kleiner werden und Assistenz-Jobs über On Set-Dailies und Tonanleger-Praktianten in Post-Häusern aufgefangen werden sollen.
Das halte ich für fahrlässig.
Generell ist es aber schwierig, weil der Beruf des Schnittassistenten zwar auf dem Papier ein eigenständiger Beruf ist, allerdings nicht wirklich so wahrgenommen wird, zumindest nicht hier in Deutschland, in den USA natürlich schon, genauso wie der Kamera-Assistent. Es gibt es hierzulande noch einige Defizite in der Professionalisierung von Assistenzberufen. Mittlerweile sind auch einige Editoren technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Das ist zwar nicht zwingend ihre Aufgabe, bisweilen aber auch nicht unproblematisch. Natürlich sollen sie sich in erster Linie dramaturgisch mit dem Film beschäftigten- alles Andere macht der Assistent. Der Editor ist verantwortlich, dass der Film dramaturgisch funktioniert und nicht für die (technische) Organisation. Ich finde das absolut nachvollziehbar.

Das Interview führte Cornelis Hähnel