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Lars PienkoßKurzschnitt

Lars Pienkoß

Mich interessiert besonders die dramaturgische Arbeit mit Tönen.

01.10.2010

Lars Pienkoß gehört seit 2004 zum BFS. Der Berliner Filmeditor kommt vom analogen Schnitt. Avid lernte er relativ spät durch eine 2001 vom BFS geförderten Workshop in München. Der eigentliche Sprung vom Assistenten zum Filmeditor erfolgte mit der Weiterbildung “Filmmontage” an der IFS, Köln. Pienkoß schneidet fiktionale, wie non-fiktionale Stoffe. Fernsehreportagen gehören genauso zu seiner Filmographie, wie seine Begeisterung für engagierte Low-Bugdet Produktionen.

Sie haben Geisteswissenschaften studiert. Warum haben Sie sich erst spät für den Beruf des Filmeditors entschieden?

Anfangs war ich mir über die Bedeutung des Editors gar nicht im Klaren. Das hing sicherlich auch mit der öffentlichen Wahrnehmung des Berufes zusammen.1992 bin ich über Praktika am Filmset auf den Geschmack gekommen Filme zu schneiden.

Was reizt Sie an der Filmmontage?

Innerhalb des Bildschnittes ist bis heute der Audioschnitt eine Leidenschaft von mir. Mich interessiert besonders die dramaturgische Arbeit mit Tönen.
Als ich anfing, wurde der Audioschnitt noch bis zum Ende im Schneideraum fertiggestellt. Heute gebe ich an einem bestimmten Punkt die Aufgabe an die Soundeditoren ab und lege wert auf eine technisch ausgefeilte Ästhetisierung des Sounds, wie Atmos aufbauen oder Effekte verstärken. Ich denke über den Audioschnitt kommt viel Atmosphäre in einen Film, und zusätzlich kann eine unaufdringliche Bedeutungsebene geschaffen werden.

Wenn Sie zwischen analogem und digitalem Schnitt wählen müssten, gäbe es eine Priorität?

Wenn ich es mir heute aussuchen könnte, würde ich den Rohschnitt immer analog machen. Einfach weil man das Material viel besser kennenlernt. Am analogen Schneidetisch werden die Rollen immer wieder vor und zurückgerollt und man kommt dem Material viel näher. Zwar schaue ich am Computer die Muster sorgfältig durch, aber wenn es dann zum Schnitt kommt, klickt man ja lediglich an den entsprechenden Stellen in den Take rein und guckt, ob es passt. Wenn der Rohschnitt fertig ist, wird es am analogen Schneidetisch jedoch relativ mühsam. Bei den Feinheiten und Umstellungen ist man mit dem digitalen Schnitt natürlich schneller und kann mehr ausprobieren und korrigieren.

Was hat Ihnen die Weiterbildung an der IFS in Köln gebracht?

Wir waren nur zehn Leute, also eine relativ überschaubare Gruppe, die an der Weiterbildung teilgenommen hat. Einen intensiven Austausch machte das möglich. Wichtig war für mich zu erkennen, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Wir haben in den Workshops alle mit dem gleichen Ausgangsmaterial ganz unterschiedliche Filme geschnitten. So eine Vergleichsmöglichkeit hat man im Berufsalltag nicht mehr. Wir wurden auch in Situationen versetzt, dass wir innerhalb kürzester Zeit Szenen schneiden mussten. Intuitives Schneiden in einem kleinen Zeitfenster hat sich bei mir dadurch eingeprägt.

Sie bevorzugen einen perfekten Audioschnitt. Was ist mit dem Bild, können Sie Ihren Montagestil genauer beschreiben?

Mir liegt es, nah an der Realität zu schneiden, ich lege nicht so viel wert auf richtige Anschlüsse, sondern mehr auf die Emotionalität, die das Ausgangsmaterial in sich trägt. Oft weiß man ja gar nicht was in einer Person vorgeht, wenn ihr Ausdruck rein technisch, perfekt geschnitten wird. Wenn die Emotion stimmt, dann ist es mir relativ egal, ob das Glas in der rechten oder linken Hand ist.

Gibt es ein Filmbeispiel, wo Sie damit auftrumpfen konnten?

Das war besonders passend bei der Dokumentation “Am Gleimtunnel – hier und drüben“ (2009) von Torsten Löhn. Der Film wurde von Schulkindern, aus dem Wedding (ehemals Westberlin) und aus Prenzlauerberg (ehemals Ostberlin) selbst gedreht. Teil des Konzepts war, die Schwächen in der Kameraführung nicht zu verstecken, sondern transparent zu machen. Damit konnte ich gewährleisten, dass die Kinder in ihrer Amateurhaftigkeit nicht bloßgestellt wurden, sondern im Gegenteil ihre Bildideen und Ausdrucksweisen aufgegriffen wurden.

Ist es nicht schwierig Schwächen zu zeigen, wenn man weiß, wie die perfekte Bildmontage aussehen müsste?

Ja, da ist schon was dran. Perfektion ist einerseits sehr wichtig im Schneideraum. Aber den Zuschauer berührt das Gefühl, was mit den Bildern vermittelt wird. Formale Aspekte sind da meiner Meinung nach sekundär.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.