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Klaus Eichler

Meine Filme haben einen bestimmten musikalischen Rhythmus.

01.09.2010

Klaus Eichler ist seit 20 Jahren als Filmeditor tätig. Er schneidet Fernsehdokumentationen und Dokumentarfilme für öffentlich-rechtliche und private Fernsehanstalten. Als Creative Producer entwickelt er neue Fernsehstoffe, als Dozent unterrichtet er Postproduktion. Nach einer Ausbildung für Rundfunktechnik, studierte Klaus Eichler Medien- und Theaterwissenschaften an der Universität Leipzig. Heute lebt er in Berlin, Hamburg und Mainz.

Sie arbeiten als Editor für Fernsehproduktionen und schneiden dokumentarische Stoffe. Haben Sie auch am Fiktionalen Interesse?

Tatsächliche würde mich auch der Kinospielfilm interessieren, um zu sehen, wo die Unterschiede und die Eigenheiten liegen. Doch bisher habe ich sehr gerne Dokumentarfilme geschnitten, weil ich der Meinung bin, dass dies ein ziemlich kreatives Geschäft ist. Es gibt keine vorgeschriebene Handlungsabfolge, der Film entsteht am Schneidetisch!

Wie kam es, dass Sie 2003 Mitglied im BFS wurden?

Um in diesen Verband aufgenommen zu werden, brauchte man noch einen Bürgen. Das war bei mir meine Verbandskollegin Katrin Suhren, die mich bei einer Art ‚Roadshow’ von ver.di in Leipzig bekräftigte, dem Verband beizutreten.

Hat sich Ihre Mitgliedschaft seither gelohnt?

Ja, definitiv. Ich finde es gibt viele charakterstarke Persönlichkeiten im Bundesverband. Ich finde aber auch, dass sich die Mitgliederqualitäten des BFS noch stark ausweiten könnten. Es wäre schön, wenn viel mehr Editoren aus anderen Bereichen als dem Kinofilm eintreten würden. Wie beispielsweise aus dem Fernsehbereich, in dem ich mich bewege. Die Kunst, die dort ausgeführt wird, ist die gleiche und die Phänomene, mit denen man sich beschäftigt, ebenfalls.

Sie präsentieren Ihre Projekte auf Ihrer Homepage. Wie bedeutend, schätzen Sie die Selbstdarstellung eines Editors ein?

Ich bin eigentlich nicht so veranlagt, mich in den Vordergrund zu spielen. Eine Website habe ich, um zeigen zu können, welchen Charakter ich habe. Man kann erleben, in welchem gedanklichen Umfeld ich mich bewege. Man kann auch herausfinden, wie sich die Filme anfühlen, die ich schneide.

Welcher Mentalität folgen Sie denn beim Schneiden eines Films?

Meine Filme haben einen bestimmten musikalischen Rhythmus. Damit meine ich nicht nur eine Geschwindigkeit der Schnitte, sondern vielmehr einen bestimmten Gesamtrhythmus in der Wiederkehr von Elementen und Episoden.

Eines Ihrer Filmprojekte war „24 Stunden Südafrika“, eine Dokumentation zur Fußballweltmeisterschaft. Autoren haben als Videojournalisten in Slums gedreht. Was war die Herausforderung im Schnitt?

Das ist ein Film bei dem der Lebensrhythmus der Menschen an einem Tag sehr eingängig spürbar gemacht wird. Um einen organischen Eindruck zu hinterlassen, muss man als Editor schon ein gutes Gefühl für den Tagesablauf von Personen entwickeln. Von den 24 Stunden habe ich 3 Stunden editiert. Dass heißt, ich habe mit 7 weiteren Editoren zusammengearbeitet.

Diese 24 Stunden Dokus entwickeln Konjunktur. Muss man in der Fernseh- und Filmbranche am Puls der Zeit arbeiten?

Jedenfalls, mache ich es so. Ich glaube, dass da noch viel passieren wird. Der Berufsstand des Filmeditors wird sich noch stark ändern. Es wird nicht so sein, dass zeitbasierte Medieninhalte nur linear bleiben werden. Ich denke, der Film wird sich verstärkt im Kontext von anderen Medien und anderen Erzählformen bewegen.

Zu diesem Thema entwickeln Sie auch gerade ein Buchprojekt.

Ja, mit Dietrich Toellner, einem Kollegen aus dem Bundesverband Filmschnitt, habe ich mir zur Aufgabe gemacht ein Buch mit dem Titel „Perpektive Editing“ zu schreiben. Es wird eine Bestandsaufnahme über die Arbeit des Filmeditors sein und danach fragen, was diese ausmacht. Wir behaupten, dass der Filmeditor mit seiner Tätigkeit der eigentliche Arbeiter am Film ist. Alle anderen Berufsgruppen, wie Regisseure, Autoren oder Szenenbilder gibt es auch in anderen Künsten. Es soll auch darum gehen, was Montage in der Zukunft bedeutet. 

Neben Ihrer Arbeit als Filmeditor sind Sie auch als Creative Producer tätig. Wie passt das zusammen?

Die Kombination von Filmeditor und Creative Producer baut gut aufeinander auf. Der Creative Producer ist ein Produzent, der nicht unternehmerisch tätig ist, sondern Medieninhalten eine Gestalt verleiht. Ich entwickle Fernsehstoffe oder helfe dabei, dass schon entwickelte Stoffe optimal umgesetzt werden. Da ich viel Erfahrung in der Mediengestaltung habe, greift das natürlich sehr gut ineinander.

Sie haben an den verschiedenen Medienakademien unterrichtet. Warum ist Ihnen diese medienpädagogische Arbeit wichtig?

Dies ist eine Arbeit jenseits meiner eingefahrenen Spuren und Rezepte. Es ist toll sein Wissen weiterzugeben. Umgekehrt ist es aber so, dass ich viel von den jungen Leuten lernen kann. 1994 / 1995 habe ich bereits mit Jugendlichen Spielfilme gemacht. Jungen Leuten eine Starthilfe zu geben,  aber auch zu sehen, wie viel Energie in ihnen steckt, ist eine gute Erfahrung.

Was planen Sie zur Zeit?

Ich habe schon seit langem vor, eine Ausstellung über die Timeline zu machen. Die Timeline von „24 Stunden Südafrika“ wurde bereits im ZDF Mainz ausgestellt. Beim Mannheimer Filmsymposium im Oktober soll es dann weitergehen mit meiner Idee von der Timeline als einer Art Konzeptkunst. Eine Timeline ist ja die Konstruktionszeichnung für eine filmische Architektur. Sie verrät die innere Struktur eines Filmes. Die Ausstellung wird Timelines von verschiedenen Filmeditoren zeigen.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.