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Mona BräuerKurzschnitt

Mona Bräuer

Ich montiere und dadurch manipuliere ich.

06.01.2011

Mona Bräuer ist seit 1992 Mitglied im BFS. Seit 1991 ist sie freiberufliche Editorin von Spiel- und Dokumentarfilmen und unterrichtet im Bereich Montage an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Mit „Der freie Wille“ und „This is Love“ schnitt sie 2009 und 2005 Filme von Regisseur Matthias Glasner. 2008 erhielt Mona Bräuer den Deutschen Kamerapreis in der Kategorie „Bester Schnitt“ für „Am Limit“ von Pepe Danquart. Auf dem letzten Montageforum Film+ in Köln hat die Berliner Editorin gemeinsam mit Uta Schmidt ein Themenpanel angeboten und wurde mit „This is Love“ für den Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm nominiert.

Mona Bräuer, wie war es diesmal bei Film+?

Es war wie immer toll. Wir Editoren arbeiten im Stillen und bei Film+ ist es laut. Die Editoren haben eine Stimme, wie es Monika Willi im November so gut formuliert hat.

Film+ hatte zehnjähriges Jubiläum. Lässt sich eine Wirkung für die Branche ausmachen?

Dass es eine Öffentlichkeit für Editoren gibt, dafür hat Film+ gesorgt. Immer mehr Regisseure, Produzenten und Drehbuchautoren kommen zum Forum. Über die Jahre hinweg wurde viel Aufbauarbeit geleistet. Begonnen hat es mit Spielfilmen, dann kam der Dokumentarfilm dazu und so wurde Film+ ein immer größeres Forum der Montage.

Vermissen Sie dennoch etwas?

Ich würde gerne noch mehr noch mit Kollegen über Montage diskutieren und im Rahmen der Panels einen Film anschauen, analysieren, entdecken. Da könnte das Film+ Team durch eine Vorauswahl Schwerpunkte setzen, wie zum Beispiel skandinavischer, osteuropäischer oder afrikanischer Film.

Ein Anliegen von Film+ ist die Montage als Filmkunst in den Mittelpunkt zu stellen, von der unsichtbaren Kunst wird gesprochen. Trifft es auch auf Ihren Schnittstil zu?

Im Gegenteil. Ich verstehe meine Arbeit nicht so. Ich montiere und dadurch manipuliere ich. Mein Anliegen ist eher die Montage sichtbar zu machen und nicht so zu tun als würde ich nicht eingreifen. Ich versuche so elegant, aufrichtig und verantwortungsbewusst wie möglich mit dem Material umzugehen.

Worum ging es bei Ihrem Themenpanel, das sie gemeinsam mit Uta Schmidt abgehalten haben? „Monster hautnah“ ist ein deutlicher Titel.

Der Untertitel war viel aufschlussreicher, der lautete „ambivalente Hauptfiguren“. Die Spannbreite einer Person zu zeigen, Gedankenräume zu öffnen, interessiert mich beim Schneiden und darum ging es auch auf dem Panel. Beispielsweise im Film „Der Freie Wille“ von Matthias Glasner. Dort wird eine Figur gezeigt, die einen wahnsinnigen Spielraum hat und vielfältige Charaktereigenschaften zeigt, die über das Klischee eines Vergewaltigers hinausgehen.

Wie bereiten Sie sich auf so einen harten Filmstoff vor, müssen Sie sich nicht schützen?

Es macht natürlich überhaupt keinen Spaß eine Vergewaltigungsszene zu schneiden, sicher nicht! Aber das muss man ganz professionell angehen, das ist mein Schutz. Ich erinnere mich immer wieder an die erste Emotion und die erzähle ich im Schnitt. Ich nehme, genau wie der Regisseur, eine klare Haltung ein. Der Schrecken dieser Szene ist eindeutig. Das Grauen wird keineswegs schön geschnitten, sonst würde der Film lügen.

Vor welchem Hintergrund wagen Sie sich in die Untiefen pathologischer Grenzfälle, in die Köpfe von Vergewaltigern, Pädophilen?

Mich interessiert alles was den Menschen ausmacht und auch die Figuren in den Filmen von Mathias Glasner sind Menschen.

Wie hat ihre Zusammenarbeit begonnen?

Bei der „Freie Wille“ gab es einen Rohschnitt und Matthias hat mich gefragt, ob ich aus dieser Materialsammlung einen Film schneiden möchte. Das waren fünf Stunden, die fand ich toll. Ehrlich – Matthias ist zur Zeit einer der spannendsten deutschen Regisseure. Er ist mutig im Denken. Diese Filme sind große Liebeserklärungen an den Menschen.

An welchem Film arbeiten Sie im Moment?

An Christian Zübers aktuellem Spielfilm „Dreiviertelmond“, gespielt von Elmar Wepper in der Hauptrolle. Es geht um einen Taxifahrer in Nürnberg. Ein grantiger Herr trifft auf ein kleines türkisches Mädchen und plötzlich wird aus ihm jemand, der sich etwas traut im Leben.

Sie können sich heute die Stoffe aussuchen, die sie schneiden. Wie hat Ihre Karriere angefangen?

Ich hab eine Ausbildung als Fotografin und dann ein neu gegründetes Schnitt-Volontariat beim SWR gemacht. Das war sehr umfassend. Ich war nicht nur Assistentin im Schneiderraum, sondern habe auch Kamera gemacht, Töne umgespielt, war beim Dreh dabei. Danach hatte ich das große Glück und konnte direkt lange Filme schneiden. Anfangs waren dies Abschlussprojekte der DFFB.

Dieser Kurzschnitt ist der erste in diesem Jahr, haben Sie ein paar Worte, die Sie an die BFS-Mitglieder richten möchten?

Ich hab Hochachtung vor allen Kollegen/Innen, die sich im BFS engagieren. Das soll auch jeder hören und wissen.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.