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Annette zur Mühlen Kurzschnitt

Annette zur Mühlen

Ich folge gerne meiner Intuition.

16.04.2011

Annette zur Mühlen hat mit dem Dokumentarfilm ‚Rotkohl und Blaukraut’ von Anna Hepp ihr Schnitt-Debüt auf der diesjährigen Perspektive Deutsches Kino der Berlinale gefeiert. Die Quereinsteigerin studierte Erziehungs- und Medienwissenschaften und ist heute diplomierte Medienpraktikerin. Einige Jahre hat die Kölner Junior-Editorin als Schnitt- und Produktionsassistentin gearbeitet und ist seit 2008 Mitglied im BFS.

Annette zur Mühlen, wie war es für Sie erstmals mit einem Film auf der Berlinale vertreten zu sein?

Aufregend. Bei der Premiere saß ich anfangs angespannt in meinem Sessel, doch als ich merkte das Publikum folgt dem Film in witzigen wie in ruhigen Passagen, da war alles gut.

Worum ging es Ihnen bei der Montage von ‚Rotkohl und Blaukraut’?

Mein Fokus war den Menschen näher zu kommen und die Großfamilie Simsir-Sengelhoff aus Marl als ‘Familie‘ zu zeigen, eine deutsch-türkische Familie in intakter Beziehung und gelungener Integration. Dabei war der Ruhrpott-Humor immens wichtig, den gibt es sowohl im türkischen als auch im deutschen Teil der Familie. Auch haben wir, d.h. Anna Hepp und ich auf übliche Klischees verzichtet: hier sprechen nicht die türkischen, sondern die deutschen Familienmitglieder davon, das sie die 'Exoten', die 'Ausländer' in der Gemeinschaft sind.

Gibt es einen Montagestil, den Sie dem Film zugeschrieben haben?

Selten und das trifft auch auf „Rotkohl und Blaukraut“ zu, arbeite ich rein formal. Ich folge gerne meiner Intuition. Im Schnitt ist mir ein passender Rhythmus wichtig, der die Geschichte und deren Emotionen unterstützt.

Seit 2006 arbeiten Sie als freie Editorin. Wie gelingt Ihnen der Weg in die Freiberuflichkeit?

Es ist schon ein harter Weg, besonders weil ich mich als Junior-Editorin im Kinofilmbereich bewege. Man muss viel Eigenwerbung machen. Ende des Jahres habe ich wieder einen Dokumentarfilm in Aussicht.

Sie sind studierte Medienpraktikerin, ist man dann auch gleichzeitig zur Editorin befähigt?

Das Studium war breit gefächert, ich hab schnell meine visuellen Stärken und Vorlieben entdeckt und mich dann auf Avid spezialisiert.

Wie haben Sie den Berufseinstieg als Filmeditorin geschafft?

Angefangen hab ich mit kleinen Stücken und gutes Feedback bekommen. Dann bin ich an der KHM in Köln auf Hans Beller zugegangen, hab ihm meine Arbeit gezeigt und ihn gefragt, ob ich für die Kunsthochschule schneiden könnte, so folgte ein KHM-Projekt dem nächsten.

Profitieren Sie auch durch den Beitritt in den Berufsverband?

Ich denke schon, dass einige Anfragen an mich dadurch entstanden sind, dass man mein Profil auf der BFS Website findet. Dazulernen kann ich durch das interne Email-Netzwerk, ein Forum indem Fragen von Kollegen beantwortet werden.

Was wünschen Sie sich von Ihrem Berufsverband im Hinblick auf die Nachwuchsförderung?

Das ist nicht viel: vielleicht ein paar Ratschläge in Sachen Selbstvermarktung und Schritte in die Professionalität.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.