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Interview mit Laura RichterKurzschnitt

Laura Richter

Für mich persönlich waren nicht zuletzt die Kontakte wichtig, die ich durch den Beitritt bekommen habe. Ich kann jederzeit auf die erfahrenen Kollegen zugehen und mir Tipps holen.

Laura Richter zog es schon früh zum Film. Das lag unter anderem daran, dass fast alle in ihrer Familie mit der Filmkunst zu tun haben.

10.08.2009

Laura Richter zog es schon früh zum Film. Das lag unter anderem daran, dass fast alle in ihrer Familie mit der Filmkunst zu tun haben. Für den Beruf der Filmeditorin entschied sich die 25-jährige Münchnerin, weil hier der Film entsteht, den man letztlich zu sehen bekommt. Also machte sie nach zahlreichen Praktika von 2005 bis 2008 eine klassische Ausbildung als Film- und Videoeditorin bei der Screencraft Gruppe in ihrer Heimatstadt und arbeitet seit Juni 2008 als selbstständige Junior-Filmeditorin.

Wie kam es dazu, dass Sie sich ausgerechnet für den Filmschnitt entschieden haben?

Ich habe unmittelbar nach der Schule angefangen, Film- und Fernseh-Praktika zu machen. Es gibt da in München den Fortbildungskanal „afk“, wo Jugendliche mit Fernsehen in Verbindung kommen. Hier konnte ich alles ausprobieren: Licht, Ton, Kamera und eben Schnitt. Da habe ich mich das erste Mal damit auseinandergesetzt: Was ist ein guter Schnitt, was ist ein schlechter Schnitt? Richtig fundiert gelernt habe ich das dann in der Ausbildung.

 

Sie sind Junior-Filmeditorin, arbeiten schon seit Jahren für verschiedene Fernsehproduktionen. Wo möchten Sie in Zukunft stehen?

Mein großes Ziel ist natürlich der Spielfilmschnitt. Allerdings ist es als junger Mensch schwierig, da rein zu kommen. Es gibt die etablierten Editoren, die ihre festen Regisseure haben – ich löse dies, indem ich viel mit Regisseuren in meinem Alter oder mit Filmhochschülern zusammenarbeite. Als junge Editorin ist es durchaus eine Herausforderung, Aufträge im Spielfilmbereich zu bekommen. So schneide ich momentan viel Fernsehen. Und tatsächlich bin ich gut gebucht, was aber daran liegt, dass ich aktiv auf die Leute zu gehe – ich warte nicht darauf, bis jemand auf mich zu kommt und mich darum bittet, für ihn zu schneiden. Zum anderen nutze ich dann natürlich diese Kontakte. Man muss offen sein und auf die Leute zugehen.

 

Dabei sind Sie vor vier Monaten dem Bundesverband der Filmeditoren beigetreten – welche Erfahrungen haben Sie bislang im Verband gemacht?

Für mich persönlich waren nicht zuletzt die Kontakte wichtig, die ich durch den Beitritt bekommen habe. Ich kann jederzeit auf die erfahrenen Kollegen zugehen und mir Tipps holen. In München gibt es auch einen Stammtisch, da gehe ich wirklich gerne hin. Die nehmen einen immer mit Freude auf und man hat das Gefühl, man gehört dazu. Zum einen ist das dann einfach ein ungezwungenes und geselliges Beisammen sein, zum anderen wird natürlich über aktuelle Projekte und Kunden gesprochen. Ich bin als „Junge“ natürlich oft erst einmal Zuhörerin und wirklich glücklich über den Erfahrungsaustausch. Im Allgemeinen war mein Beitritt für mich schon fast selbstverständlich, da ich durch meine Familie mit dem Engagement in den Filmverbänden gut vertraut bin.

Und doch scheuen sich manche jungen Editoren davor, in den Verband einzutreten: was haben eigentlich die Junioren von der Interessenvertretung?

Ich finde die Verbandsarbeit extrem wichtig, weil man sich darin für mich einsetzt: So regelt man beispielsweise die Vertragsbedingungen, auf die ich mich berufen kann. Mir ist auch nie aufgefallen, dass mich ein Kunde nicht bucht, weil ich im Verband bin. Unbezahlbar ist der Beitritt zudem auch nicht: die jungen Editoren zahlen die Hälfte des Beitrags. Dann aber ist man in einer Interessenvertretung, in der man seine aktuellen Projekte auf der Homepage veröffentlichen kann, man ist durch die Suchmaske findbar – und kann angeben, ab wann man wieder Zeit für das nächste Projekt hat. Darüber hinaus gibt es eben noch den persönlichen Austausch. In Deutschland läuft die Verbandsarbeit mehr auf einer lokalen Ebene. Generell wünschte ich mir deshalb, dass alle Verbände bundesweit stärker gewichtet würden, ähnlich wie in den Vereinigten Staaten. Das ist aber ein langer Weg. Deshalb sollte man die Verbände mehr stärken. Und je mehr Mitglieder man zählt, desto stärker ist man auch.

Das Interview führte Karolina Wrobel.