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C. Gleisner und G. Kull-NeujahrKurzschnitt

Claudia Gleisner, Gaby Kull-Neujahr

Den Filmeditoren wird dank unserer Initiative wieder ein Europäischer Filmpreis verliehen.

BFS-Geschäftsführerinnen im Gespräch

23.07.2010

Claudia Gleisner arbeitet seit 1989 als freie Editorin, vor allem im Dokumentarfilmbereich. Außerdem ist sie Trainerin für Avid-Systeme. Seit 2001 ist sie Mitglied im BFS, seit 2006 im Vorstand. Claudia Gleisner lebt in Berlin.

Gaby Kull-Neujahr machte 1977-79 ein Editorvolontariat beim Hessischen Rundfunk und arbeitet seit 1980 als freie Filmeditorin. Mit dem Film „Schattenväter“ wurde sie 2006 für den deutschen Schnittpreis Film+ nominiert. Seit 1985 ist sie Mitglied des BFS und war erstmals 1996 als geschäftsführender Vorstand tätig. Gaby Kull-Neujahr lebt in München/Markt Schwaben.

Liebe Claudia Gleisner, liebe Gaby Kull-Neujahr, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wiederwahl als geschäftsführender Bundesvorstand des BFS. Warum haben Sie sich wieder wählen lassen?

Claudia Gleisner: Vor vier Jahren habe ich entschieden, mich innerhalb des BFS zu engagieren. Deshalb habe ich für den Vorstand kandidiert. Wenn man im Vorstand ist, kann man mehr Einfluss nehmen, etwas verändern. Das hat mich gereizt. Wie muss sich der BFS entwickeln, damit der Verband noch attraktiver wird? Ein Netzwerk zu gestalten, das war meine Intention. 

Gaby Kull-Neujahr: Mich haben Mitglieder gebeten, den Vorstand zu übernehmen. Das war bereits 1996 so. Mit einer Pause, habe ich seitdem acht Jahre Vorstandsarbeit hinter mir und viel Energie und Zeit hinein gesteckt. Ich bin seit 1985 Mitglied des BFS und finde es absolut notwendig, dass es diesen Berufsverband für uns freischaffende Filmeditoren gibt. In den letzten zwei Jahren war unsere Arbeit im Vorstand sehr fruchtbar. Wir haben viel erreicht. Das ist der Grund, warum ich weitermache.

Wie werden Ihre Aufgabenbereiche verteilt sein?

Gleisner: Mein besonderes Anliegen ist die Öffentlichkeitsarbeit, die Darstellung des BFS nach außen. Der Bereich geht von Gestaltung von Anzeigen bis hin zur Website. Und ich bin der scharfe Hund, was die Finanzen anbelangt.

Kull-Neujahr: Wir sind insgesamt sieben Vorstandsmitglieder und da achten wir auf eine sinnvolle Aufgabenverteilung. Als geschäftsführender Vorstand bin ich gemeinsam mit Claudia dafür zuständig, alle Aktivitäten abzusegnen. Mit Unterstützung aus dem Vorstand, vertrete ich den BFS bei der Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände. Im Augenblick ist mein Hauptthema das Urheberrecht.

Was konnten Sie beim Urheberrecht bislang erreichen?

Kull-Neujahr: Bei der VG Bild-Kunst, als auch bei ver.di stehen neue Verhandlungen an. Es geht um eine Urheberbeteiligung am Erlös. Bei der letzten Sitzung haben wir zusammen mit dem bvk und S/F/K die „Arbeitsgruppe Filmurheber“ gegründet. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das Berufsbild des Filmeditors auch im urheberrechtlichen Sinn verändert. Was wir erreichen möchten, ist unseren Anspruch weiter zu sichern. Unsere Urheber-Spezialistinnen im Verband sind Karin Nowarra und Katharina Schmidt, bei denen ich mich an dieser Stelle herzlich für ihren Einsatz bedanke.

Wie arbeiten Sie zusammen? Frau Kull-Neujahr sitzt in München, Frau Gleisner in Berlin.

Kull-Neujahr: Per Standleitung selbstverständlich. (lächelt)

Gleisner: Fast! (lächelt) Wir telefonieren natürlich regelmäßig und schreiben uns Emails.

Worauf  wollen Sie in den nächsten zwei Jahren Ihren Schwerpunkt in der Verbandsarbeit legen?

Gleisner: Neben unseren ständigen Aufgaben, wie die diversen Gremienarbeiten, Anfragen an die Geschäftsstelle und die Internetseite, haben wir uns vorgenommen, die Mitgliederwerbung in den Mittelpunkt zu rücken. Wir wollen ein starker Verband sein und da spielen die Mitgliederzahlen eine wesentliche Rolle.

Wie genau wollen Sie erreichen, dass die Mitgliederzahlen steigen?

Gleisner: Als erstes müssen wir besser verstehen, wie der BFS wahrgenommen wird. Warum ist die nette Kollegin vom Schneideraum nebenan, noch kein Mitglied im BFS? Liegt es an der allgemeinen Vereinsmüdigkeit, oder an der Höhe des Mitgliedsbeitrags? Gelten wir als elitär, oder werden wir einfach nicht wahrgenommen? Im zweiten Schritt streben wir eine effiziente Mitgliederwerbung an.

Hat denn der BFS steigende oder fallende Mitgliederzahlen?

Gleisner: Der Verband hat knapp 300 Mitglieder. Vor allem in den letzten ein, zwei Jahren haben wir mehr Eintritte als Austritte.

Kull-Neujahr: Im letzten Vorstandsjahr kamen vierzig Editoren hinzu, davon sind die Hälfte Junior-Editoren.

Mit der Einführung des Junior-Editors haben Sie versucht den BFS neu aufzustellen. Was für Entwicklungen gab es außerdem?

Gleisner: Wir haben für die Mitglieder Musterverträge ausgearbeitet. Zum sozialversicherungsrechtlichen Status haben wir ein Merkblatt herausgegeben. Da steht drin, was ein Editor beachten muss, wenn er oder sie sich selbstständig macht. Es gab auch Werkstattgespräche in München und Berlin. Eine Veranstaltung zum Deutschen Filmpreis, die „LOLA VISIONEN Schnitt“ fand erstmals statt. Auch waren wir an den Filmhochschulen in Ludwigsburg und Potsdam. Da haben wir den Studierenden den BFS vorgestellt.

Kull-Neujahr: Die Tarifverhandlungen mit ver.di fielen für uns auch nicht schlecht aus.

Wie liefen die Werkstattgespräche in München und Berlin?

Kull-Neujahr: Wir haben unser Werkstattgespräch im Kino der Hochschule für Film und Fernsehen, HFF München veranstaltet und hatten dadurch automatisch ein größeres Publikum. Wir haben den Film „Krabat“ gezeigt. Hans Jörg Weißbrich hat mit dem Drehbuchautor Michael Gutmann über den Schnitt gesprochen. Es waren viele Mitglieder anwesend und die Diskussion mit den Editoren und Studenten war sehr gut.

Gleisner: In Berlin gab es zwei Werkstattgespräche, einmal mit Uta Schmidt über den Schnitt von „4 Minuten“ und einmal mit Anne Fabini über „Berlin Calling“. Auch viele Junior-Editoren waren da.

Wie wird es in Zukunft mit den Werkstattgesprächen weiterlaufen?

Gleisner: In Berlin haben wir uns vorgenommen, nicht nur über Montagearbeiten von Spielfilmen, sondern auch von Dokumentarfilmen zu sprechen.

Kull-Neujahr: Wir sind gerade in Gesprächen mit Editoren für die nächste Veranstaltung. Natürlich wollen wir auch verschiedene Formate vorstellen, möglicherweise auch in kleinerem Rahmen, da nicht jeder gerne Fragen auf der Bühne beantwortet.

Es scheint ein Problem für den Berufsstand zu sein, dass die kreative Leistung von Filmeditoren in der Öffentlichkeit zu wenig beachtet wird. Zeichnet sich da eine Veränderung ab?

Gleisner: Ja, konkret sogar. Den Filmeditoren wird dank unserer Initiative wieder ein Europäischer Filmpreis verliehen. Im letzten Jahr haben sich innerhalb kürzester Zeit, 615 Personen an unserem Webaufruf an die European Film Academy (EFA) beteiligt. Das war sicherlich, die größte Außenwirkung für unseren Berufsstand, die der Verband seit langem erreicht hat.

Kull-Neujahr: Der Erfolg unserer Aktion, ist auch einer guten Netzwerkarbeit zwischen den europäischen Berufsverbänden des Filmschnitts zu verdanken. Mit den Verbänden aus Österreich und der Schweiz stehen wir schon seit Jahren in Kontakt. 2009 haben wir ein Treffen in Frankfurt organisiert, zu dem auch Vertreter aus Polen und Russland kamen. 

Was ist Ihre größte Herausforderung in der Vorstandsarbeit?

Gleisner: Ich habe den Eindruck, dass der Anspruch an die Professionalität des Vorstandes immer höher wird. Wir arbeiten im Ehrenamt. Zwar können wir Spezialisten beauftragen, was wir auch tun, doch als verantwortliche Ansprechpartnerinnen arbeiten wir uns immer selbst in die Thematik ein. Wir lesen uns in Gesetze und Gutachten ein. Zum Beispiel in Fragen zum Arbeitsrecht, Versicherungsstatus und zu Ausbildungsinhalten.

Kull-Neujahr: Alle großen Verbände der Filmbranche, mit denen wir zu tun haben, wie der BVR, bvk und S/F/K haben bezahlte Geschäftsführer. Wir nicht! Ich schneide mehr oder weniger non-stop, und muss meine reguläre Arbeit als Editorin mit der Arbeit als geschäftsführender Vorstand vereinen. Dadurch fällt automatisch viel Verbandsarbeit auf die Freizeit.

Was macht Ihnen in der Vorstandsarbeit am meisten Freude, was motiviert Sie?

Gleisner: Wir kriegen ein gutes Feedback von den Mitgliedern. Was ich mache, wird angenommen und viele sind zufrieden damit. Daraus schöpfe ich viel Kraft.

Kull-Neujahr: Es macht viel Arbeit, aber es macht auch Spaß. Die Mitglieder reagieren sehr positiv und das motiviert mich. Bei unseren Treffen genieße ich vor allem den Austausch mit den Kollegen. Gemeinsam Ideen zu entwickeln, gefällt mir besonders.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.