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Uta Schmidt Kurzschnitt

Uta Schmidt

Charaktere zu erzählen ist mein vorrangiges Ziel. Ich bin niemand, der auf visuelle Effekte aus ist. Da liegt auch gar nicht mein Talent.

13.05.2010

Uta Schmidt gehört bereits seit 20 Jahren zu den Mitgliedern des BFS. 2007 war die Editorin für den Kinospielfilm „Vier Minuten“ von Chris Kraus für den Deutschen Filmpreis nominiert und erhielt den Deutschen Kamerapreis. 2008 wurde sie für „Bella Block - Reise nach China“, ebenfalls unter der Regie von Chris Kraus, erneut mit dem Deutschen Kamerapreis für szenischen Schnitt ausgezeichnet. Gerade hat sie ihre Arbeit für „Poll“, einem weiteren Film des Regisseurs fertig gestellt. Es ist ein historischer Stoff, der Anfang nächsten Jahres in die Deutschen Kinos kommt. Seit 2009 setzt sich Uta Schmidt aktiv als Vorstandsmitglied der Deutschen Filmakademie für den Berufsstand der Editoren ein. Gemeinsam mit dem BFS, ist sie dort Initiatorin der „LOLA VISIONEN- Schnitt“.

 

Frau Schmidt, wie kam es dazu, dass Sie Vorstandsmitglied der Deutschen Filmakademie wurden?

Durch die Nominierung von „Vier Minuten“, bin ich zunehmend in die Öffentlichkeit gerückt. Eigentlich etwas, was mir wenig liegt. Doch ist mir schon seit langem bewusst, dass unser Berufsstand mehr öffentliche Aufmerksamkeit und gute Gremienarbeit braucht. Dann gab es an der Akademie die Wahlen der Stellvertreter und des Vorstandes. Da sich niemand wirklich verantwortlich zeigen wollte, den Vorstandssitz zu übernehmen, habe ich spontan gesagt, dass ich es mache.

Hat sich die Entscheidung für Sie gelohnt?

Ja, ich bin in unserer Sektion zusammen mit Martin Steyer für die Editoren, Komponisten und Tongestalter zuständig. Mir gefällt, dass ich berufsübergreifend denken muss. Ich erfahre mehr Hintergründe, gerade im wirtschaftlichen Bereich. Aber vor allem versuche ich mich bei künstlerischen Entscheidungsprozessen einzubringen. Unter anderem konnte ich die Idee unseres BFS Mitglieds Nicola Undritz unterstützen, die „LOLA VISIONEN- Schnitt“ auf den Weg zu bringen.

Wie ist die Idee zu den „LOLA VISIONEN “ entstanden?

In den letzten Jahren gab es diese Veranstaltung bereits mit Regisseuren, deren Werke für den „besten Film“ nominierten waren. Nicola Undritz Idee basierte unabhängig davon auf dem Motto „Unsichtbare Kunst – Sichtbare Künstler“ und wurde erst durch die Zusammenarbeit mit der Filmakademie in die „LOLA VISIONEN“ eingebunden.

Was wird an diesem Abend, am 9. April geschehen?

Es ist eine öffentliche Podiumsdiskussion. Sie findet dieses Jahr erstmalig mit den nominierten Editoren statt. Nicola Undritz übernimmt die inhaltliche Leitung. Kryra Scheurer von „Film +“ wird den Abend moderieren. Von den fünf nominierten Filmen werden Ausschnitte zu sehen sein, die Editoren werden über ihre Schnittkonzepte berichten und Publikumsfragen beantworten.

Was hat Sie dazu bewegt, diese Veranstaltung voran zu treiben?

Eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis zu bekommen, ist eine sehr besondere Auszeichnung. Wer gewinnt, ist fast zweitrangig. Allesamt sind es fantastische Editoren, deren Werke so unterschiedlich in der Machart sind und man sie nur schwer vergleichen kann. Deshalb ist es auch so schön, so einen Abend zu veranstalten, um einerseits diese Breite und andererseits die Besonderheit der einzelnen Filme aufzuzeigen.

Neben dieser ehrenamtlichen Tätigkeit, arbeiten Sie aber vor allem als Editorin. Welches neue Projekt beschäftigt Sie zur Zeit?

Ich habe gerade den Schnitt von „Poll“, einem neuen Film von Chris Kraus fertig gestellt. Es handelt sich, um einen historischen Spielfilm, der kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs in der damals russischen Provinz Estland spielt. Es geht um ein vierzehnjähriges Mädchen, das zu seinem Vater auf das Gut „Poll“ kommt, weil die Mutter verstorben ist. Ihr Wunsch Schriftstellerin zu werden, ist verbunden mit einer Gefahr, der sie sich aussetzt. Denn das Mädchen versteckt einen estnischen Revolutionär. Vorrangig erzählt der Film aber von den Charakteren, den Lebensgeschichten der Protagonisten.

Wie haben Sie diese Konzentration auf die Figuren im Schnitt umgesetzt?

Ich habe versucht den Film anhand der besten Takes der Schauspieler zu bauen. Wenn die Figur stark rüberkommt, dann funktioniert auch die Geschichte. Im Prinzip, versuche ich den Subtext der Figuren zu zeigen. Es geht darum zu erzählen, was unterschwellig bei den Protagonisten stattfindet. Oft schneide ich deshalb assoziativ. Es geht primär darum ein Bild für eine Empfindung auszuwählen.

Reizen Sie Portraits, Lebensgeschichten als Editorin besonders?

Absolut, Charaktere zu erzählen ist mein vorrangiges Ziel. Ich bin niemand, der auf visuelle Effekte aus ist. Da liegt auch gar nicht mein Talent.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.