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Barbara ToennieshenKurzschnitt

Auf der Berlinale zu laufen, ist die eine Sache, positive Reaktionen zu bekommen eine andere.

11.02.2010

In der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ der Berlinale 2010 feiert „Cindy liebt mich nicht“ ein doppeltes Spielfilmdebüt. Nicht nur die junge Regisseurin Hannah Schweier hat damit ihren Einstand, auch unser BFS-Mitglied Barbara Toennieshen glänzt erstmals als Editorin eines langen Spielfilms. Erfahrungen als Filmeditorin von Dokumentarfilmen hat sie dagegen seit Jahren. Zu ihrer Filmographie zählen die Kinodokumentarfilme „Opernfieber“ von Katharina Rupp,  „Konspirantinnen” (2006) von Paul Meyer und „Friedensschlag” (2010) von Gerardo Milsztein. Ein Film, der ebenfalls auf der Berlinale im Panorama zu sehen ist.

 

Frau Toennieshen, was hat Sie vor 4 Jahren bewegt in den Verband einzutreten?

Ich halte Solidargemeinschaften für richtig. Gemeinsam ist man immer stärker als allein. Der BFS vertritt unsere Rechte in vielen Gremien. Bei der VG Bild, bei Tarifverhandlungen und wie jetzt in der Durchsetzung der Kategorie Montage beim Europäischen Filmpreis. Als Mitglied beim BFS kann ich mir bei Problemen Rat holen und vor allem interessiert mich das Netzwerk.

 

Was für Aktivitäten des BFS können Sie denn wahrnehmen, schließlich leben Sie in Freiburg?

Das stimmt. Hinzu kommt, dass ich immer in unterschiedlichen Städten arbeite und damit beispielsweise nicht am regelmäßigen Stammtisch teilnehmen kann. Bei den jährlichen Treffen, der Jahresversammlung, bei film+ oder dem Empfang der Filmschaffenden während der Berlinale, kann ich dennoch von Mal zu Mal meine Kontakte zu den Kollegen/innen erweitern. Das ist viel wert in einem Beruf, bei dem man einen Großteil der Zeit alleine am Schnittplatz verbringt.

 

Wie funktionierte Ihre Arbeit mit der Regisseurin Hannah Schweier?

Hannah ist eine talentierte, strukturierte Persönlichkeit, die Kritik sehr ernsthaft überprüft und verwertet. Obwohl wir beide emotional sind, legen wir viel Wert auf einen ehrlichen Diskussionsstil, mit möglichst wenig Energieverlust durch Ego und Eitelkeiten. Hannah ist ein Teamplayer, ohne die Führung aus der Hand zu geben. Beispielsweise kann sie mit großer Spielfreude, die Möglichkeiten der Montage erkunden und entscheidet sich zu radikalen Veränderungen im Drehbuch. Das hat für mich, die Arbeit mit ihr sehr angenehm gemacht.

 

Worin liegt für Sie der Unterschied einen Spielfilm im Gegensatz zu einem Dokumentarfilm zu schneiden?

Im Spielfilm hat man Kunstfiguren. Man ist keiner Realität verpflichtet, kann an den Charakteren feilen und viel mehr am Subtext arbeiten. Inszeniertes Material ermöglicht eine andere Erzählweise als dokumentarisches. Die Herausforderung liegt in den Details, dem Rhythmus, der Dynamik, den On/Off-Entscheidungen, den Auslassungen. Es macht einen Unterschied, ob man ein Schweigen etwas länger stehen lässt. Einen Augenaufschlag mitnimmt, oder eben nicht.

 

Wie hat sich das beim Schnitt von „Cindy liebt mich nicht“ ausgedrückt?

Ich habe es als eine Wohltat empfunden, nicht aus dem Rohmaterial heraus die Struktur entwerfen zu müssen, sondern mit dem Drehbuch schon einen Ansatz zu haben, in dessen Rahmen ich mich bewegen und experimentieren kann.

 

Welche Erwartungen verknüpfen Sie mit der Filmpremiere?

Ich bin sehr gespannt, wie der Film beim Publikum aufgenommen wird. Auf der Berlinale zu laufen, ist die eine Sache, positive Reaktionen zu bekommen eine andere.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.