TELEFON 030 - 23 63 38 66 Mitglied werden intern
Bitte BFS-Benutzernamen und Passwort eigeben:
Volltext-Suche in der Website English

 

Hansjörg WeißbrichKurzschnitt

Hansjörg Weißbrich

Am liebsten schneide ich ernste, dramatische Stoffe.

14.06.2010

„Die eigentliche Auszeichnung ist die Nominierung für den Deutschen Filmpreis.“

- BFS- Mitglied Hansjörg Weißbrich im Gespräch

Hansjörg Weißbrich gehört wohl zu den erfolgreichsten deutschen Filmeditoren der Gegenwart. Bereits im Jahr 2000 gewann er mit „Frauen lügen besser“ von Vivian Naefe den Deutschen Fernsehpreis. Jüngst wurde er für den Schnitt des Films „Sturm“ unter der Regie von Hans-Christian Schmid mit dem Preis der deutschen Filmkritik 2009 und dem Deutschen Filmpreis 2010 ausgezeichnet.

Seit Mitte der Neunziger Jahre zeichnet Weißbrich verantwortlich für den Schnitt der Filme von Hans-Christian Schmid. Regelmäßig arbeitet er auch mit Regisseuren wie Florian Gallenberger, Marco Kreuzpaintner und Vivian Naefe zusammen. Der in München lebende Filmeditor studierte Musik, Französisch und Theater-, Film und Fernsehwissenschaften, bevor er über Schnittassistenzen zum Filmschnitt kam. Hansjörg Weißbrich ist Mitglied der Deutschen Filmakademie, der European Film Academy und seit 1992 Mitglied des BFS.

Herr Weißbrich, im Vorfeld zur Preisverleihung des Deutschen Filmpreises wurden Sie gemeinsam mit den anderen nominierten Filmeditoren zum Podiumsgespräch „LOLA VISIONEN” in die Deutsche Filmakademie eingeladen. Was ist Ihr Resümee dieses Abends?

Es hat mich sehr gefreut, dass die Initiative für diese Veranstaltung vom BFS kam. Es ist einfach wichtig, dass man unseren Berufsstand öffentlich bekannt macht. Viele Leute wissen nicht, wie wir arbeiten und wie wichtig unsere Arbeit für die Gestaltung eines Filmes ist. Das Feedback der Zuschauer war sehr positiv.

Was hat sich bei Ihnen in den letzten Monaten verändert, seitdem Sie mit dem Deutschen Filmpreis 2010 für den Besten Schnitt ausgezeichnet wurden?

Die Lola war natürlich eine tolle Anerkennung. Ob so ein Preis konkrete Auswirkungen hat, kann ich nicht sagen. Jedenfalls bin ich bisher noch nicht mit Anrufen bombardiert oder mit Angeboten überschüttet worden. Vielleicht ist es sogar so, dass einige Leute denken, dass sie mir jetzt nichts mehr anbieten brauchen, weil ich sowieso keine Zeit habe oder zu teuer bin. Das fände ich schade.

Sie haben jüngst den Schnitt für ein kleines Fernsehspiel „Morgen das Leben“ abgeschlossen. Was hat Sie an diesem Debütfilm von Alexander Riedel interessiert?

Ich habe ja ganz viel Debütfilm gemacht. Das zieht sich durch meine gesamte Laufbahn. Ich fand das Projekt spannend. Es ist ein dokumentarischer Spielfilm über drei Menschen in München, die auf ein anderes Leben hoffen. Eine alleinerziehende Mutter schlägt sich nach der Trennung mit Heimarbeit durch, eine ehemalige Sozialarbeiterin fängt eine Ausbildung als Kosmetikerin an, ein Mann, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, beschließt eine Ausbildung als Versicherungsvertreter zu machen - alles Personen um die Vierzig. Der Film erzählt auch viel über die Stadt München, mit einem ganz eigenen Blick. Wie kann man in dieser Stadt sein Leben finanzieren? Das hat viel mit der Lebenswirklichkeit zu tun, die momentan in unserer Gesellschaft herrscht.

Seit Mitte der Neunziger Jahre arbeiten Sie jährlich an zwei bis drei Kinofilmen. Bei dieser Fülle - was waren die bedeutenden Schritte Ihrer Karriere als Filmeditor?

Ich hatte das Glück, dass der erster Langfilm, den ich geschnitten habe, bereits ein großer Kinoerfolg wurde. Das war „Nach fünf im Urwald“ von 1995. Dann waren „23“ und „Lichter“ sicher Filme, die ganz wichtig für mich waren. Überhaupt war die Zusammenarbeit mit Hans-Christian Schmid für mich sehr prägend. Eine tolle Sache war sicherlich der Schnitt des Oscargekrönten Kurzfilms „Quiero ser“ von Florian Gallenberger, aus dem sich eine enge Zusammenarbeit ergeben hat. Auch die Arbeit mit Marco Kreuzpaintner und Vivian Naefe ist sehr wichtig für mich.

Wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit mit Hans-Christian Schmid am Film „Sturm“ charakterisieren?

Mittlerweile ist zwischen uns ein großes Vertrauen gewachsen, so dass ich sehr eigenständig arbeite. Das geht vom Ausmustern bis zum Szenenaufbau und zur Rhythmusgestaltung. Das zeigt sich auch daran, dass wir inklusive dem Parallelschnitt zu den Dreharbeiten nur dreieinhalb Monate an „Sturm“ geschnitten haben und ihn deshalb auch auf der Berlinale zeigen konnten. Das war nämlich zunächst gar nicht geplant.

Gibt es etwas, was Sie als Filmeditor gerne in Zukunft erreichen möchten?

Ich möchte im Wesentlichen an spannenden Filmen beteiligt sein. Auszeichnungen sind dabei zweitrangig. Wichtig ist mir, dass die Arbeit interessant ist und ein toller Film dabei rauskommt. Am liebsten schneide ich ernste, dramatische Stoffe. Aber es ist auch immer wieder schön, etwas „Leichtes“ zu machen.

Können Sie sich auch vorstellen, vermehrt auf internationalem Niveau zu arbeiten?

Auf jeden Fall. Ich habe ja auch schon einige internationale Koproduktionen gemacht. Der Film „Trade“ war z.B. eine amerikanische Produktion von Roland Emmerich, der Film „Themba“, der am 5. August ins Kino kommt, ist eine deutsch-südafrikanische Koproduktion. Aber auch in Deutschland wird viel produziert, was internationales Niveau hat. Da hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan.

 

Das Interview führte Ute Bongartz.